Mai 2020
Mussten Sie wegen Corona Ihren Betrieb schließen oder sich ins Home-Office zurückziehen? Mit diesen Tipps gelingt der Wiedereinstieg leichter.
Wieder im Office

Sich vor Ort ein Bild machen

Machen Sie einen Rundgang durch das Betriebsgelände und nehmen Sie Ihr Gebäude in Augenschein. Folgende Punkte sollten Sie überprüfen:

  • Weisen die Außentüren oder die Fenster Spuren von Einbruchsversuchen auf?
  • Kam es in der Abwesenheit zu Vandalismus, sehen Sie eingeschlagene Fenster oder Graffiti?
  • Ist durch offene oder beschädigte Dachfenster Wasser eingetreten? Sind Wasserleitungen geplatzt oder kam es zu einem Wasserschaden im Keller?
  • Falls Sie Solarkollektoren auf dem Dach haben: Sind diese noch heil?
  • Sind die Bestände im (Außen)lager noch vollständig oder besteht der Verdacht, dass etwas gestohlen wurde?
  • Sind alle Kameras der Videoüberwachung funktionstüchtig, stimmen Sichtfeld, Fokus und Schärfeeinstellungen?
  • Ist eine Reinigung der Innenräume und Maschinen notwendig, bevor Sie den Betrieb wiederaufnehmen können?
  • Wird Trinkwasser im Gebäude genutzt? Bei abgestandenem Leitungswasser können sich Keime bilden, insbesondere Legionellen können gefährlich sein. Lassen Sie deshalb vor der ersten Nutzung einige Minuten das Wasser laufen, idealerweise sogar zweimal pro Woche während der Betriebsunterbrechung. Auch über Luftbefeuchter oder Klimaanlagen könnten die Keime übertragen werden. Klären Sie allenfalls mit dem Hersteller oder Reparaturbetrieben, ob Handlungsbedarf besteht, z.B. für eine Desinfektion.

Den Start vorbereiten

Bringen Sie Ihre Infrastruktur in zeitgerechter Frist wieder in den Betriebsmodus – ohne dass dabei Maschinen oder Systeme Schaden nehmen.

  • Nehmen Sie vor der Inbetriebnahme routinemäßige Inspektionen vor und dokumentieren Sie diese, um die Funktionstüchtigkeit von Maschinen sicherzustellen: Funktionieren noch alle Dichtungen? Sind Kühlflüssigkeiten noch ausreichend gemischt? Werden die Mindestfüllmengen erreicht?
  • Funktionieren alle Stromleitungen und Sicherungen fehlerfrei?
  • Verfügen alle benzinbetriebenen Fahrzeuge über ausreichend Treibstoff und Motorenöl? Sind Lichter und Bremssysteme funktionsfähig?
  • Halten Sie sich an die Anweisungen des Herstellerhandbuchs, bevor Sie Maschinen wieder in Betrieb nehmen. Oft müssen Sie bestimmte Abläufe beachten, damit kein Schaden entstehen kann. Allenfalls kann ein Techniker Sie unterstützen.
  • Achten Sie darauf, dass bei Öl-, Schmier- und Wasserkreisläufen die notwendige Betriebstemperatur erreicht ist, bevor Sie die Produktion aufnehmen.
  • Kommt es bei der Wiederinbetriebnahme zu unüblichen Geräuschen oder Gerüchen, zu ungewöhnlicher Hitzeentwicklung oder Vibrationen an Maschinen? Unterbrechen Sie den Startvorgang, fahren Sie das System herunter und lassen Sie einen Spezialisten kommen, um den Fehler zu finden.
  • In manchen Situationen müssen die Behörden informiert werden, dass Sie wieder größere Mengen Wasser oder Strom benötigen bzw. wieder grössere Mengen Abwasser zur Klärung abgegeben werden.

Wenn Sie wieder produktiv sind

Nachdem die Produktion wochenlang unterbrochen war, möchten Sie die Produktionsrückstände und Umsatzeinbußen wahrscheinlich möglichst schnell ausgleichen.

  • Möchten Sie zusätzliche Schichten fahren? Achten Sie auf Ihre Mitarbeitenden: Ein abrupter Wechsel, etwa von Kurzarbeit auf Zusatzschichten, ist körperlich und emotional anstrengend. Erschöpfte und übermüdete Mitarbeitende machen mehr Fehler, können schneller verunfallen und halten allenfalls Sicherheitsroutinen weniger konsequent ein. Weisen Sie Ihre Führungskräfte auf diese Gefahren hin, halten Sie unbedingt Pausen sowie die vorgeschriebenen Arbeitszeiten ein und achten Sie auf Anzeichen von Erschöpfung oder Überforderung.
  • Bei stark erhöhter Produktionskapazität über das normale Maß hinaus können Versorgungseinrichtungen (Stromversorgung, Kompressoren, Heizkessel usw.) leiden, ebenso Ihre Maschinen. Warten Sie in der Anfahrphase die Anlagen deshalb engmaschig.
  • Machen Sie sich Gedanken, ob sich Ihr Revisionsplan durch die Unterbrechung verschiebt, weil die Betriebsstunden geringer sind als geplant – oder weil die notwendigen Experten aktuell nicht zur Verfügung stehen.
  • Maschinen sollten nicht außerhalb der Auslegungsparameter bzw. oberhalb der Nennleistung/Produktionsleistung betrieben werden, um Produktionsrückstände aufzuholen.

Prävention und Brandschutz

Vergessen Sie Ihre üblichen Präventionsmaßnahmen nicht, denn gerade jetzt wäre beispielsweise ein größerer Brandschaden fatal für Ihr Unternehmen.

  • Haben Sie während der Unterbrechung Sicherheitsanlagen wie Sprinkler und Brandmelder weiterhin gecheckt? Falls nein, sollten Sie dies unbedingt nachholen: Sprinklerpumpen mit Elektromotoren sollten mindestens 10 Minuten probelaufen, Dieselmotoren sogar 30 Minuten.
  • Mussten Sie Ihre Lagerbestände im Innenbereich aufstocken? Stellen Sie sicher, dass dies die Funktionsfähigkeit Ihrer Feuerschutzeinrichtungen nicht beeinträchtigt. Vermeiden Sie es, Lagergut zwischen Regalreihen zu stapeln.
  • Kommt es aufgrund des Stillstandes zu einer Aufstockung der Lagerbestände im Freien? Achten Sie auf ausreichend Sicherheitsabstand von brennbaren Gütern zum Gebäude.
  • Werden nach der Wiederinbetriebnahme die Reinigungsintervalle an die aktuelle Produktionskapazität angepasst? Die Erhöhung des Produktionsvolumens nach der Wiederaufnahme der Betriebstätigkeit stellt auch erhöhte Anforderungen an Housekeeping–Prozeduren. Mitunter müssen kürzere Reinigungsintervalle eingeführt werden, um dem vermehrten Anfall von Abfall, Verunreinigungen und brennbarem Staub entgegenzuwirken.
  • Lassen Sie Ihren Brandschutzbeauftragten einen Rundgang machen und alle Veränderungen dokumentieren. Nehmen Sie alle Brandschutzroutinen so schnell wie möglich wieder auf.
  • Passen Sie externe Schlüssel- und Öffnungsdienste, die während der Schließung eingestellt wurden, den aktuellen/normalen Öffnungszeiten an, ebenso die Automatik von Roll- und Schutzgittern.

Learnings ziehen

Nutzen Sie die Chance, gemeinsam im Team aus den Erfahrungen der vergangenen Wochen zu lernen:

  • Was hat gut geklappt? Wo gibt es Verbesserungspotenzial?
  • Waren Abläufe und Rollen klar definiert, gab es Schnittstellenprobleme?
  • Dokumentieren Sie alle Learnings und arbeiten Sie diese auf.
  • Fragen Sie sich selbst, aber auch Ihre Mitarbeitenden, ob sie Ideen für Prozessverbesserungen haben – jetzt ist eine gute Gelegenheit, um bestehende Probleme unter neuem Blickwinkel anzugehen und allenfalls neue Lösungen zu finden.