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Etwa 1.000 Personen werden jährlich weltweit von einem Blitz getroffen, rund 70 % überleben. In unserem letzten Artikel "Das richtige Verhalten bei Gewittern" haben wir auf die gefährlichen Orte hingewiesen, die bei einem Gewitter zu meiden sind. Heute dreht sich alles um die Erste Hilfe nach einem Blitzunfall.

Warum sind Blitze so gefährlich?

Direkte Blitzverletzungen werden durch Hochspannung (-zig Millionen Volt), Hitzeentwicklung und Explosionskraft hervorgerufen. Durch die extrem schnelle Entladung dringen die Verbrennungen durch Blitze tiefer in den Körper ein als Verbrennungen bei Stromunfällen. Vom Blitz getroffen, fließt der größte Teil der Blitzenergie über die Haut ab, was eine typische Verbrennungszeichnung (meist farnblattartige Hautmale) hinterlässt.


Wovon hängt die Schwere der Verletzung ab?

Die Intensität des Einschlags hängt davon ab, ob eine Person direkt auf offenem Feld vom Hauptblitz getroffen wird – diese Fälle enden meist tödlich. Oder ob es sich hingegen um eine Kontaktverletzung handelt. Diese entstehen bei Berührung eines Objektes, das von einem Blitz getroffen wurde oder worauf Strom übergesprungen ist. In diesem Fall spricht man von einem Seitenblitz. Doch auch der sogenannte Kriechstrom kann verheerende Folgen haben: Schlägt ein Blitz in den Boden ein, breitet sich der Strom kreisförmig aus. Wenn von zwei Berührungspunkten einer Person mit der Erde einer weiter von der Einschlagstelle entfernt liegt als der andere, entsteht ein elektrisches Spannungsgefälle. Dann kann zwischen den beiden Berührungspunkten Strom durch den Körper fließen.


Wie erkennt man Blitzverletzungen?

Wird ein Opfer erst nach Ende des Gewitters gefunden (wenn z.B. die Sonne wieder scheint), ist meist nicht gleich klar, was geschehen ist. Wenn die Person lineare bzw. punktuelle Verbrennungen oder Blitzfiguren aufweist, können Sie sich sicher sein, dass sie von einem Blitz getroffen wurde.


Welches sind häufige Blitzverletzungen?

  • Vorübergehende Bewusstlosigkeit oder Lähmung
  • Atem- und Kreislaufstillstand
  • Hitze- und Kältegefühl in der Haut
  • Trommelfell- und Augenschäden

Gefährlich ist vor allem, wenn das Opfer für eine gewisse Zeit wegen der Schockwirkung nicht atmen kann. Ein Herzstillstand kann die Folge sein.

Aufgrund von Stürzen und Abstürzen durch die Schockwelle des Blitzschlags oder durch unkontrollierte Muskelkontraktionen wegen des Stromschlages kann es auch zu schweren Knochenbrüchen und Schädelverletzungen kommen, die mit dem Blitz selbst nichts zu tun haben. Neuropsychiatrische Veränderungen wie Verwirrtheit, Gedächtnisstörungen, epileptische Anfälle, Taubheit und Erblindung sind meist vorübergehend und nach wenigen Stunden wieder vorüber.


Wie leiste ich Erste Hilfe?

Die Behandlung von Blitzschlagopfern basiert auf den ABCs der Ersten Hilfe: Atemwege freilegen, Beatmung und Herzdruckmassage (circulation). Damit sollten Sie sofort nach Absenden eines Notrufes beginnen. Wenn es mehrere Blitzopfer gibt, dann hat die Beatmung von Verletzten mit Atemstillstand absoluten Vorrang. Auch bei einem längeren Atemstillstand ist die Prognose in der Regel gut, wenn die künstliche Beatmung rechtzeitig begonnen wird.

Des Weiteren sollten Verbrennungen steril abgedeckt werden. Auch ein Schutz vor einem eventuellen Absturz oder einer Unterkühlung ist notwendig.

Auch wenn an einer vom Blitz getroffenen Person keine äußeren Verletzungen erkennbar sind, kann ein lebensbedrohender Zustand bestehen. Da traumatologische und neurologische Folgeerscheinungen wie Krampfanfälle erst nach Stunden auftreten können, sollten Blitzopfer prinzipiell zur Beobachtung in ein Krankenhaus eingewiesen werden, auch wenn sie in gutem Zustand zu sein scheinen.


Ersthelfer aufgepasst: Blitzschlag-Legenden

Hier zwei Behauptungen, die sich als unwahr erwiesen haben:

  • Es ist gefährlich, ein Blitzschlagopfer zu berühren.
  • Ein Blitz schlägt nie ein zweites Mal an derselben Stelle ein.

Warum oft nicht sofort eine Rettung erfolgen kann

Rettungseinsätze bei Gewitterneigung sind äußerst riskant. Bei Flugrettungseinsätzen kann ein Blitz durch direkten Einschlag einen Hubschrauber zum Absturz bringen, zudem kann die Crew während der Erstversorgung des Patienten außerhalb des Hubschraubers vom Blitz getroffen werden.