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Was genau ist eine Patientenverfügung?

November 2017
Das am 1. Juni 2006 in Kraft getretene Patientenverfügungsgesetz regelt die Voraussetzungen für die Errichtung einer Patientenverfügung sowie deren Wirkung und mögliche Inhalte.

Grundsätzliche Richtlinien

Mit einer Patientenverfügung wird eine bestimmte medizinische Behandlung bereits im Vorfeld für den Fall abgelehnt, dass sich der Patient selbst nicht mehr äußern kann. Das ist z. B. der Fall, wenn er nicht mehr sprechen kann oder z. B. nach einem Schlaganfall nicht mehr über die notwendigen geistigen Fähigkeiten verfügt.

Gewisse Voraussetzungen müssen für eine Patientenverfügung erfüllt sein: Der Patient muss geistig und psychisch in der Lage sein, den Sinn und die Folgen der Patientenverfügung zu verstehen. Sie muss seinem Willen entsprechen und darf z. B. nicht auf den Druck von Angehörigen hin verfasst werden. Da aktive direkte Sterbehilfe in Österreich verboten ist, kann man sich auch mit einer Patientenverfügung nicht über das Gesetz hinwegsetzen.

Die Patientenverfügung wird unwirksam, wenn sich der Stand der Wissenschaft erheblich ändert oder der Patient diese nachträglich widerruft.

Verbindliche & beachtliche Patientenverfügung

Für die verbindliche Patientenverfügung muss ein Arzt den Patienten über die medizinischen Auswirkungen aufklären und die Aufklärung bestätigen. Die Patientenverfügung muss vor Notar, Rechtsanwalt oder Patientenvertreter errichtet werden und bleibt nur maximal fünf Jahre verbindlich (es sein denn, der Patient hat mittlerweile seine Einsichts- und Urteilsfähigkeit verloren).

Die beachtliche Patientenverfügung ist eine schriftliche Willenserklärung, mit der der künftige Patient ersucht, im Fall einer zum Tod führenden Erkrankung, Verletzung oder Bewusstlosigkeit auf künstliche lebensverlängernde Maßnahmen zu verzichten und alle Möglichkeiten der Schmerzlinderung zu nutzen. Wenn sich ein schwerkranker oder dementer Mensch nicht mehr äußern kann, ist es für Ärzte und Angehörige oft schwierig, nur jene Maßnahmen zu treffen, die im Sinne des Patienten sind. Eine Patientenverfügung gibt wichtige Hinweise und ist eine Orientierungshilfe für den Arzt bzw. einen gerichtlich bestellten Sachwalter, möglichst dem Willen des Patienten zu entsprechen.

Patientenverfügung im Notfall

Jede Patientenverfügung kann auf Wunsch im Patientenverfügungsregister des österreichischen Notariats sowie im Patientenverfügungsregister der österreichischen Rechtsanwälte registriert werden. Krankenanstalten können österreichweit in diese Einsicht nehmen.

Bei Notfällen würde mit der Suche nach einer Patientenverfügung wertvolle Zeit verstreichen. Daher besteht in der Notfallmedizin keine Pflicht des Arztes, nach einer Patientenverfügung zu suchen.

Den Hinweis auf eine Patientenverfügung sollte man in Form einer Hinweiskarte immer bei sich haben und bei einem Spitalsaufenthalt die Ärzte entsprechend informieren.

Praktischer Ablauf

Nun zur Praxis: Was sollte in einer Patientenverfügung stehen? Wichtig ist, die Situation genau zu beschreiben, in der diese gelten soll. Beispiele wären, wenn ein Erwachen aus einer Bewusstlosigkeit weitgehend ausgeschlossen werden kann, bei Demenz im Endstadium, bei irreversiblem Ausfall der Herz-Lungen-Funktion etc.

Weiters sollte sehr konkret formuliert werden, welche medizinischen Behandlungen genau abgelehnt werden, z. B. künstliche Ernährung über eine Magensonde, Beatmung über Luftröhrenschnitt oder die Aufrechterhaltung lebenswichtiger Organfunktionen mit medizinischen Maßnahmen, wenn diese dauerhaft ausgefallen sind.

Disclaimer und Quellenangabe

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