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Sicherheitstipps für MotorradfahrerInnen

September 2016
Haben Sie die neuen, ellipsenförmigen Bodenmarkierungen schon entdeckt? Hierbei handelt es sich um ein Pilotprojekt des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), das Motorradunfälle reduzieren soll.

Die ideale Kurvenlinie

95% der MotorradfahrerInnen nehmen Linkskurven zu eng und geraten dadurch oft in brenzlige oder sogar fatale Situationen. „Schuld“ daran hat die Mittellinie, an der sich die FahrerInnen unbewusst orientieren und die zu einer falschen, gefährlichen Fahrlinie verleitet. Die Ellipsen sollen von der Mittellinie ablenken, einfach rechts daran vorbei fahren und es ergibt sich eine ideale Kurvenlinie.

Das Amt der Oö. Landesregierung hat häufige Unfallursachen beim Motorradfahren analysiert und bietet konkrete Lösungen an:

Der Blick bestimmt die Richtung

Problem: An einer unübersichtlichen Stelle taucht ein kleines Hindernis auf der Fahrbahn auf - ein Stein, ein Tierkadaver, ein Ölfleck.
Fehler: Wenn Sie das Hindernis gebannt fixieren, besteht die Gefahr, dass Sie genau darauf zufahren. Weniger geübte MotorradfahrerInnen geraten in Panik, weil Sie sich nicht entscheiden können, ob sie rechts oder links ausweichen sollen. Sie überfahren das Hindernis direkt und kommen zum Sturz.
Lösung: Versuchen Sie nach einem kurzen Blick auf das Hindernis Ihre Ideallinie beim Ausweichen zu finden und folgen Sie mit dem Blick dieser Spur.

Die Sonne: Freund oder Feind?

Problem: Am Morgen oder gegen Abend steht die Sonne tief. Sie kann Freund sein oder Feind, wenn sie blendet.
Fehler: Wenn Sie die tiefstehende Sonne im Rücken haben, sehen Sie besonders gut. Sie wirkt wie ein riesiger Scheinwerfer in Ihre Richtung. Sie vergessen, dass für die entgegenkommenden Fahrzeuge genau das Gegenteil der Fall ist.
Lösung: Wenn Sie einen langen Schatten vor sich auf die Fahrbahn werfen, denken Sie dran, dass Sie für entgegenkommende Fahrzeuge praktisch unsichtbar sind und passen Sie Ihren Fahrstil entsprechend an.


Es geht sich aus!

Problem: Am Kurveneingang haben Sie den Radius falsch eingeschätzt, Sie glauben, zu schnell zu sein.
Fehler: Wenn Sie während der Kurvenfahrt zu stark bremsen, riskieren Sie einen Sturz.
Lösung: Bremsen Sie so stark wie möglich in einer kurzen Geradeausfahrt, lenken Sie möglichst spät ein, fahren Sie die größte Schräglage, die Sie sich zutrauen.

Rutschige Bodenmarkierungen

Problem: Bodenmarkierungen haben ihren Sinn - gerade in Kreuzungsbereichen. Aber nass sind sie rutschig wie Seife.
Fehler: Vor allem Pfeile in der Fahrstreifenmitte bergen bei Nässe Gefahren. Sie sind eine große, rutschige Fläche.
Lösung: Bodenmarkierungen, wenn möglich, nicht befahren. An Pfeilen in Fahrstreifenmitte "links oder rechts vorbei" rollen.

Neue Straßen haben Tücken

Problem: Neu asphaltierte Fahrbahn, gepflegtes Bankett, bester Gripp. Aber: Wo kommt der Splitt in den Rechtskurven her?
Fehler: Gerade neue Fahrbahnen und neue Bankette haben ein Problem: Autos (Lkw und Hänger) fahren zu weit rechts und bringen Splitt vom neuen Bankett auf die Fahrbahn ein.
Lösung: Fahren Sie Rechtskurven nicht allzu weit innen. Das bringt auch zusätzlich Sicht.


An einen "Fluchtweg" denken

Problem: Der Aufprall auf ein festes Hindernis ist das Schlimmste, was passieren kann. Sehr oft sind rund um die Straße "weichere" Hindernisse: Felder, Wiesen, Büsche.
Fehler: Wenn Sie auf Biegen und Brechen versuchen, auf der Straße zu bleiben, kann das Ihr Leben kosten.
Lösung: Die "Flucht ins Gelände" kann Leben retten, auch wenn sie mit einem Sturz verbunden ist. Die Landung in einem Acker hat oft geringere Folgen als ein Aufprall auf ein festes Hindernis oder Fahrzeug. Üben Sie immer wieder mentales Training, fragen Sie sich: "Wo ist mein Fluchtweg?"

Lesen lernen

Problem: Es genügt nicht allein, auf den Verkehr zu achten. Viele Unfälle geschehen völlig ohne "Fremdeinwirkung".
Fehler: Zu glauben, dass nur der Verkehr für Unfälle verantwortlich ist.
Lösung: Lernen Sie, Straßen und Fahrbahnen nach dem "Wenn-dann-Prinzip" zu "lesen": Wenn an einer Stelle besonders viele Bremsspuren sind, dann ist die Stelle gefährlich. Wenn ein Acker am Straßenrand frisch gedüngt ist, dann ist wahrscheinlich auch etwas auf die Fahrbahn gelangt. Wenn zur Erntezeit viele Traktoren auf den Feldern sind, dann fahren sie wahrscheinlich auch auf der Straße.

Der tote Winkel kann Leben kosten

Problem: Jede/r AutofahrerIn hat einen "toten Winkel" im Rückspiegel. Dann wird ein hinter ihm/ihr fahrende/r oder überholende/r MotorradfahrerIn unsichtbar.
Fehler: Unerfahrene Biker denken oft: "Wen ich sehe, der sieht mich auch." Das stimmt nur bedingt.
Lösung: Loten Sie Ihren eigenen "toten Winkel" in einem Pkw aus. Bitten Sie eine andere Person, neben dem stehenden Auto den Motorradfahrer oder die Motorradfahrerin zu simulieren. Jetzt wissen Sie, aus welcher Perspektive Sie ein Autolenker oder eine Autolenkerin nicht sehen kann.


"Paradesyndrom" beachten

Problem: Beim Fahren in der Gruppe entwickelt sich eine komplizierte Eigendynamik, das "Paradesyndrom".
Fehler: Wenn am Anfang ein routinierter Biker fährt, "weil er die Strecke kennt", müssen weniger geübte FahrerInnen am Ende der Gruppe umso schneller fahren und bringen sich in Gefahr, um den Anschluss nicht zu verlieren.
Lösung: Lassen Sie Ihr Tempo nie von den anderen bestimmen. Weniger routinierte BikerInnen sollten in die Mitte genommen werden. Wenn Sie auf das Können anderer nicht Rücksicht nehmen wollen, vereinbaren Sie einen Treffpunkt und fahren Sie alleine dorthin.



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