Zurich Versicherung Österreich
Auch wenn die Sonne noch so sehr lockt: Bevor Sie sich zum ersten Mal aufs Bike schwingen, sollten Sie Ihre Maschine aus dem Winterschlaf holen und genau unter die Lupe nehmen. Besonderes Augenmerk sollten Sie auf die drei „B“ legen: Bereifung, Bremsen und Beleuchtung.

Bereifung

  • Führen Sie eine Luftdruckkontrolle durch. Der Druck sollte ungefähr bei
    2 bis 2,2 bar liegen. Ist er wesentlich geringer, sollten Sie überprüfen, ob der Reifen beschädigt oder überaltert ist.
  • Messen Sie die Profiltiefe. Geringer als 1,6 Millimeter sollte sie nicht sein. Weisen die Reifen ausgebrochene Profilstücke oder Schnitte in den Flanken auf, oder sind nicht mehr alle Ventilkappen vorhanden, sollten Sie sie ausmustern.

Bremsanlage

  • Sind die Leitungen und Schläuche dicht? Prüfen Sie, ob sich irgendwo Dellen, Scheuerstellen oder Risse befinden.
  • Stimmt der Stand der Bremsflüssigkeit im Ausgleichsbehälter? Erneuern Sie die Flüssigkeit alle zwei Jahre, um gefährliche Dampfblasenbildung zu vermeiden.
  • Kontrollieren Sie, ob kein Öl bzw. Fett von der Winterpflege auf die Bremsschreiben oder Bremsbeläge getropft ist. Sind die Bremsbeläge noch stark genug? Beachten Sie: Einmal jährlich muss beim Motorrad ein Öl- und Ölfilterwechsel vorgenommen werden. Das Bremssystem benötigt alle drei Jahre neue Bremsflüssigkeit und auch die Bremsbeläge halten selten mehr als drei Saisonen!

Beleuchtung

  • Prüfen Sie, ob alle Leuchtengehäuse intakt sind (keine Sprünge in der Abdeckung, keine „erblindete“ Verspiegelung, keine lichthemmende Verstaubung im Inneren) und ob Rückstrahler weder abgebrochen noch zerkratzt sind.
  • Funktionieren alle Leuchten (Fern- und Abblendlicht über die Blinker und die Kennzeichenbeleuchtung bis zur Brems- und Schlussleuchte) sowie die dazugehörigen Schalter und Kontrolllampen? Überalterte Exemplare erkennen Sie am geschwärzten Glaskolben bzw. – bei Halogenlampen – am Glitzern der Drähte.
  • Sind alle elektrischen Anschlüsse fest und nicht korrodiert?

Außerdem sollten Sie überprüfen

  • Sind alle Befestigungen ok? Prüfen Sie die Stoßdämpfer und Federn, die Motorblock-Aufhängung und die Räder.
  • Kontrollieren Sie den Motorölstand in Motor und Getriebe. Tröpfelt auch nichts aus der Kraftstoffleitung; ist sie ohne Scheuer- und sonstige Schadstellen?
  • Ist die Kette richtig gespannt und gut gefettet?
  • Sind die Stoßdämpfer und Federn an der linken und rechten Seite richtig
    eingestellt – also auf gleicher Höhe?
  • Ist die Lenkung frei und leichtgängig? Sind ihre Endanschläge einwandfrei; ist ihr Spiel nicht zu groß?
  • Verwenden Sie für das Aufladen der Batterie ein geeignetes Ladegerät. Nicht jedes Ladegerät eignet sich für Motorradbatterien. Um Kurzschlüsse zu vermeiden, schließen Sie zuerst das Plus-Kabel (rot), dann das Minus-Kabel (schwarz) an. Ist die Batterie nicht wartungsfrei, prüfen Sie den Säuregehalt und füllen gegebenenfalls destilliertes Wasser nach.
  • Benutzen Sie zur Reinigung des Bikes keinen Hochdruckreiniger, da dieser die Dichtungen beschädigen kann. Waschen Sie es besser mit Schwamm und lauwarmem Wasser. Ist Ihr Motorrad blank, können Sie auch undichte Stellen besser erkennen.


Vor einer längeren Tour ist ein professioneller Sicherheitscheck in einer Werkstatt zu empfehlen.

Was für Ihr Bike gilt, gilt übrigens auch für Sie: Nach einer langen Winterpause müssen Sie sich erst wieder hinsichtlich Fahrweise und Reaktionsfähigkeit an das Motorradfahren gewöhnen.



Machen Sie Übungsfahrten zur Gewöhnung an das Bike

Bei einer Übungsfahrt auf geschütztem Gelände (z.B. einem Verkehrsübungsplatz) können Sie sich nach einer langen Fahrpause wieder gefahrlos an das Fahrzeug gewöhnen. Wichtig ist, dass Sie Ihren Gleichgewichtssinn schärfen. Dazu eignen sich vor allem Langsamfahrübungen, um die kleinen, aber oftmals folgenreichen Fehler zu vermeiden. Auch das richtige Bremsen sollte nochmals trainiert werden.

Fahrtechnik, Reaktionsvermögen und Blickverhalten sind nach einer längeren Pause nicht mehr ganz so ausgeprägt, wie zum Ende der vergangenen Saison. Um wieder ein sicheres Gespür für die Handhabung der Maschine im Straßenverkehr zu bekommen, empfiehlt sich zum Einstieg ein Sicherheitstraining. Der ÖAMTC bietet unter dem Titel „Warm Up“ von Anfang April bis Ende Mai in den Fahrsicherheitszentren kompakte Fahrsicherheitstrainings an. Das halbtägige Training eignet sich für Profis und Wiedereinsteiger.



Ein paar Einfahrübungen:

  • Testen Sie das Zusammenspiel von Gas, Kupplung und Bremse, indem Sie Slalom fahren.
  • Führen Sie Bremsübungen aus verschiedenen Geschwindigkeiten heraus durch.
  • Auch Lenkübungen sollten Sie bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten durchführen.
  • Fahren Sie zu Beginn auf vertrauten Strecken, achten Sie aber vor allem im Frühling auf Frostschäden, die den Straßenbelag uneben gemacht haben. Und vergessen Sie nicht: Auch AutofahrerInnen müssen sich erst wieder an Biker gewöhnen. Drosseln Sie also bei unübersichtlicher Verkehrslage lieber die Geschwindigkeit und erhöhen Sie die Bremsbereitschaft.


Angepasste Geschwindigkeit rettet Leben

Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit ist unter Motorradfahrern immer noch Unfallursache Nummer 1. Vernünftiges und vorausschauendes Fahren mit ausreichend Sicherheitsabstand ist oberstes Gebot. Versuchen Sie als junger und unerfahrener Motorradfahrer nicht, mit versierten Bikern mitzuhalten, denn so geraten Sie in Fahrsituationen, mit denen Sie noch überfordert sind.



Achtung bei Rechtskurven

Das KfV hat als zweite Hauptunfallursache Fehleinschätzungen beim Überholen in Rechtskurven identifiziert. Dabei übersieht der Biker häufig das entgegenkommende Fahrzeug, das vom vorderen Fahrzeug verdeckt wird.



Kontrollieren Sie Ihre Schutzausrüstung

Neben dem lebensrettenden Helm, der auch Gesicht und Kiefer schützen sollte, zählen robuste Handschuhe, Stiefel und eine widerstandsfähige Jacke und Hose inklusive Protektoren zur optimalen Schutzausrüstung für Biker. Achten Sie darauf, dass Ihre Sicht nicht durch Kratzer am Visier des Sturzhelms oder fehlenden Sonnenschutz eingeschränkt werden kann.


Apropos Helm: Wussten Sie, dass die Fahrt mit einem Jethelm lauter ist als ein Presslufthammer? Bei einer Geschwindigkeit von 130 km/h werden Werte von
108 Dezibel erreicht. Aus arbeitsmedizinischer Sicht beträgt die maximal zulässige Einwirkdauer dieser Lärmquelle bei Tragen eines zertifizierten Gehörschutzes eine
Stunde – und zwar pro Woche! Denn eine Lärmeinwirkung von 150 Dezibel verursacht schon nach wenigen Sekunden irreparable Schäden!

Auch wenn das subjektive Lärmempfinden von Mensch zu Mensch variiert, ist die reale Gefährdung weitgehend gleich. Die Folgen können über Schlafstörungen bis hin zum Herzinfarkt reichen. Im Straßenverkehr kann Dauerlärm den Stresspegel erhöhen, aggressiv machen und somit das Unfallrisiko massiv erhöhen. Das Tragen eines professionell angepassten Gehörschutzes sollte deshalb für Motorradfahrer genauso selbstverständlich sein, wie das Tragen eines Helms.