Grenzkontrolle: suche nach Waffen, Drogen und Plastikssackerln?

März 2019
Zugegeben, ich war überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass es eine Landesgrenze gibt, auf der Reisende nach Plastiksackerln durchsucht werden. Aber ja: An den Grenzen von Ruanda wird nicht nur akribisch nach Waffen, Drogen und Sprengstoff Ausschau gehalten. Nein, die Taschen der Reisenden werden auch nach versteckten Plastiksackerln durchsucht.

Selbst der Transport von Waren in einem Plastiksackerl ist nicht gestattet. Der Inhalt, egal ob Lebensmittel, Schuhe oder Schulsachen, muss umgefüllt werden, der Plastiksack wird beschlagnahmt. Kleinere Verstöße werden nicht bestraft. Wer aber versucht, größere Mengen, wie zum Beispiel eine ganze Rolle von Plastiksackerln, über die Grenze zu schmuggeln, muss mit Geldstrafen oder mit ein bis sechs Monaten Gefängnisstrafe rechnen.

Dahinter steckt die vorbildhafte Umweltpolitik von Ruanda. Bereits vor 10 Jahren wurde ein Verbot von Plastiksäcken ausgesprochen. Grund war unter anderem die komplett verschmutzte Hauptstadt Kigali. Wo früher Plastiksackerln in den Bäumen hingen, Müll und Unrat über die Grünflächen wehten, sieht man heute nicht mal mehr ein Kaugummipapier am Boden.

Die 1,2 Millionenstadt zählt heute zu den saubersten Städten der Welt. Auch in anderen Städten Ruandas oder am Land ist es ähnlich sauber. Wer seinen Müll nicht in die zahlreichen Sammelsysteme wirft, sondern sonst wo entsorgt, muss mit hohen Strafen rechnen. Die Höhe kann schon mal ein Fünftel eines lokalen Monatsgehalts ausmachen.

Für Industrie und Handel gilt das Verbot von Plastiksackerln natürlich ebenso. Inspektoren der Umweltbehörde kontrollieren dies regelmäßig und hin und wieder gibt es auch entsprechende Anzeigen.

Das gesammelte oder beschlagnahmte Plastik wird größtenteils händisch aufbereitet (gewaschen, sortiert, getrocknet) und anschließend geschreddert, geschmolzen und zu neuen Gegenständen geformt. Recycling hat einen hohen Stellenwert in Ruanda, man versucht mit Ressourcen sparsam umzugehen.

Ruanda dient als Vorbild für andere afrikanische Staaten. So gibt es auch bereits in Kenia ein Verbot von Plastiksackerln. Bleibt zu hoffen, dass auch in Europa möglichst viele Staaten einen vernünftigen Umgang mit kurzlebigen Plastikprodukten finden.

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